Salz & Pfeffer

 

Ignorier mich, behandle mich wie Dreck!

Das Gärtnerplatzviertel ist hipp. Ein Haufen Kneipen, oder besser gesagt "Bars", die immer voll sind. Nur warum? Die Bedienungen wie auch die Wirte der meisten Lokalitäten definieren Begriffe wie "Arroganz, Unfreundlichkeit, Ungastlichkeit" und "billige Inneneinrichtung" neu. Das Rezept ist immer das gleiche: man zahle die Ablöse an den Letzten Wirt (der sich mit seinen Millionen wohl nach Monaco absetzt), kaufe bei IKEA ein paar Möbel (Sperrmüll tut's manchmal auch), hänge gerade genug nackte Glühbirnen an die Wände um den Feuerschutzrichtlinien zu genügen und baue irgendwie noch eine Bar ein. Irgendwer muss sich wohl leider auch um die Gäste kümmern, da die ja ihr Geld nicht einfach in den Briefkasten einwerfen, also nehme man noch irgendeinen Kumpel, der etwas Kohle braucht, bevor seine Karriere als Künstler/ Schauspieler so richtig durchstartet, und fertig ist die Gärtnerplatz-Kult-Bar. Und die wird sich schnell füllen, je assliger der Schuppen, desto hipper und zahlreicher das Publikum. Warum? Hören wir dazu Dipl. Psych. Ignaz Waldmann: "Ja, äh, wissen sie, äh, diese jungen Leute haben zu viel Erfolg in ihren Marketingagenturen und Internetfirmen. Da werden sie schon mit 22 Jahren wie Chefs behandelt. Da gibt es Sushi zum Frühstück auch für die Sekretärin, ähem, ich meine Teamassistentin. Da fahren schon die Aushilfen, ähem, ich meine Praktikanten neue Sportwagen. Aber diese jungen Menschen sehnen sich auch nach Führung, suchen Personen, die sie in die Schranken weisen. Da will man mal nicht im Mittelpunkt stehen, sondern ganz am Rande. So wie ältere Herren gerne zu Dominas gehen, um sich schlagen zu lassen, so gehen diese jungen Karrieretypen eben gerne in eine Gärtnerplatz-Bar, um sich, ähem, sozusagen mental ins Gesicht schlagen zu lassen. Da wird man ignoriert, die Kellner machen einem ganz unmissverständlich klar, dass man unerwünscht ist. Kurzum, die Gäste werden wie Dreck, wie Aussätzige, wie Leprakranke behandelt. Das gibt diesem Menschen einen Punkt der Autorität, an den sie sich klammern können." So, jetzt wissen wir es also: die grauenhaft ungastlichen Kneipen am Gärtnerplatz sind eigentlich Therapiezentren für orientierungslose Jungmanager. Und wer kein solcher ist, sollte sie auch meiden, denn Therapie ohne Indikation kann die Gesundheit gefährden.(kh)
 
War ich zu gemein? Oder ist alles noch viel schlimmer? Schreibt mir!
 
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