Salz & Pfeffer

 

In uns allen steckt ein Held


In einer Zeit voller Zerwürfnisse und Konflikte ist es wichtig, sich darauf zu besinnen, was uns alle verbindet. Abseits von Menschenrechten, der Liebe, dem Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit gibt es noch etwas, das der Papst, Verona F. und Sie und ich gemeinsam teilen: den unvermeidlichen Drang, früher oder später mal auf die Toilette zu gehen. Jeden Tag. Zu Hause ist das kein Problem, viele Menschen verspüren meist sogar eine tiefe Befriedigung bei ihrem täglichen Geschäft im einzig immer ruhigen Raum ihrer Wohnung. Schlimm wird es erst, wenn man gezwungen ist, sich an fremden Orten auf die hygienischen Verhältnisse einzulassen. Nichts scheint dann unmöglich und jedes neue WC kann zu einem Abenteuer werden. Um das schlimmste vorwegzunehmen kann ich hier aber bereits ein paar Hinweise darauf geben, was einen in Münchner Etablissements zuweilen erwartet:

a) Der Club
Wer viel tanzt bekommt schnell Durst. Und wer nicht fähig ist, die reichlich konsumierte Flüssigkeit wieder auszuschwitzen hat das Pech, sich auf eine Toilette in einem Club begeben zu müssen. Diese Orte als vollwertiges WC zu bezeichnen grenzt an Hochstapelei. Tatsächlich handelt es sich im Normalfall um ein einziges Großraumurinal, wobei die Grenzen zwischen Waschbecken und Pissoir im Verlauf des Abends schnell „fließend” werden bzw. „verschwimmen“. Um von dem unmenschlichen Anblick abzulenken pflastern fröhliche Zeitgenossen freundlicherweise alles mit seltsamsten Aufklebern zu, die einen abwechselnd zum Kauf einer CD, dem Besuch völlig unbekannter Websites mit kryptischen Namen oder zur Weltrevolution animieren wollen. Den einzigen Trost in solchen überdimensionierten Petrischalen spendet manchmal die Einsicht, dass es dort immer noch sauberer ist als draußen auf der Tanzfläche.

b) Das In-Café
Wer in München einen hippen Laden aufmachen will, muss sich auch im Nassbereich etwas einfallen lassen. Das beginnt schon bei der Namensgebung und den “Männlein-Weiblein-Zeichen”. Besonders nett ist wohl das “Toitellen”-Schild in einer bekannte Münchner Kneipe, dass für immer als Mahnmal für Humor des Besitzers stehen wird. Um den Geschlechtern nur ja keinen Hinweis auf die für sie gedachte Tür zu geben darf dann mit allen Mitteln getrickst werden. Warum nicht die japanischen Zeichen für Mann und Frau auf die Türen kleben? Oder vielleicht eine männliche und eine weibliche Blüte einer seltenen tropischen Pflanze? Auch die Chromosomensätze von Mann und Frau sind absolut eindeutig, man muss nur genau hinsehen. Hat sich die Kreativität des Einrichters hier immer noch nicht erschöpft, wird man für die Mühen reich entlohnt: Videowände, bei denen man sich selbst beim urinieren zusehen kann, irrwitzige Lichtinstallationen, musikalische Gesamtkunstwerke und vieles mehr können eine Nebensache zum zentralen Höhepunkt des Abends machen. Und wenn man dann nachts dieselben Werbebotschaften immer und immer wieder träumt, weiß man, dass man sich zu viel Zeit zum Sch.....n genommen hat.

c) Das Restaurant
Clubs und Kneipen kann man mit etwas guten Willen in klare Schubladen einordnen, aber Restaurants entziehen sich absolut jedem Versuch der Verallgemeinerung. Hier ist nun wirklich alles möglich und es gibt keinerlei Hinweis darauf, was einen erwartet. Von Tempeln der Göttin Hygiene bis zu Löchern, die Bahnhofstoiletten auf einmal anziehend erscheinen lassen, habe ich hier schon alles gesehen. Besonders schön wird dieser Umstand durch die in Restaurants besonders hohe Wahrscheinlichkeit, einmal zu “müssen”, da man sich ja ordentlich den Bauch vollschlägt. So lässt sich das Unvermeidliche hinauszögern, aber selten verhindern.

Wer auf Nummer sicher gehen will sollte am besten den ganzen Abend auf Essen und Trinken verzichten, das schont die Nerven, spart Geld und hält ganz nebenbei auch noch schlank. Ansonsten heißt es eben “Augen zu und durch!”, woanders gibt es immerhin nur Löcher im Boden. (kh)

 
War ich zu gemein? Oder ist alles noch viel schlimmer? Schreibt mir!
 
PS: Wer ältere Texte aus "Salz & Pfeffer" sucht, sollte mal im "etc..."-Bereich vorbeischauen.